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Gießener Anzeiger 23.10.Olympische Spiele als Friedensbringer
Historie und Gegenwart des sportlichen Großereignisses
GIESSEN. Wenn das Stichwort „Olympische Spiele“ fällt, dann geht in diesen Tagen der Blick auf das Jahr 2012. Denn für die Austragung der Sommerspiele in zehn Jahren bewerben sich fünf deutsche Städte. Doch erst einmal geht es in zwei Jahren nach Athen: Dort finden 2004 die 25. Spiele der Neuzeit statt. Schüler des Jahrgangs 13 der Gesamtschule Gießen-Ost informierten sich im Rahmen einer zehntägigen Studienfahrt aus erster Hand über die Geschichte der Olympischen Spiele und die Vorbereitungen der Spiele in Athen. Dabei standen ihnen in verschiedenen Treffen hochkarätige Gesprächspartner zur Verfügung.
Die Rundreise führte den von Studiendirektor Wolfgang Schülting-Enkler geleiteten Sportkurs nach einer Bus-/Schiffsreise über Ancona und Patras zu den antiken Stätten der Panhellenischen Spiele: Zu den Pythischen Spielen in Delphi, den Nemeischen Spielen in Nemea, den Isthmischen Spielen in Korinth sowie den Spielen in Olympia. Neben den Ausgrabungsstätten und Archäologischen Museen in den heiligen Bezirken dieser historischen Orte ließen sich die Schüler von den antiken Sehenswürdigkeiten Athens (Akropolis, Olympieion, Agora, Hadriansbogen) und vom Flair des ersten Olympiastadions der Neuzeit beeindrucken.
Hier hatten die Schüler auch einmal Zeit zu sportlicher Aktivität: Im Panathenäischen Stadion, in dem 1896 die ersten Spiele der Neuzeit stattfanden, konnten sie bei Laufübungen Tempogefühl für die Distanz einer klassischen „Stadie“ entwickeln, der Maßeinheit für die Länge eines Stadions in der Antike.
Stand bis dahin die Geschichte der Olympischen Spiele im Vordergrund, so ging es beim Empfang im „International Olympic Truce Centre“ im Zappeion von Athen um die Bemühungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zur Förderung eines olympischen Waffenstillstands („Truce“). Zu diesem Zweck hat das IOC mit Unterstützung der UN im Juli 2000 diese Stiftung gegründet.
Prof. Stavros Lambrinidis, der Direktor der Stiftung, informierte den Leistungskurs über die Ziele und Aktivitäten dieses Zentrums. Er machte deutlich, dass es nicht um romantische Utopien eines „Olympischen Friedens“ gehe, sondern um kleine, realistische Schritte einer begrenzten Unterbrechung von Waffengängen während der Zeit der Olympischen Spiele. Er verwies dabei auf die Wurzeln der Olympischen Spiele. Der Mythologie zu Folge habe der König von Elis das Orakel von Delphi nach einer Lösung zur Beendigung der Kriege gefragt, die die Peleponnes verwüsteten. Apollo habe geraten, die kultischen Wettkämpfe in Olympia zu reaktivieren, um während dieser Zeit die kriegerischen Handlungen einstellen zu können.
Tatsächlich kannten schon die ersten Olympischen Spiele der Antike einen olympischen Waffenstillstand („Ekecheiria“): Den Teilnehmern und Zuschauern wurde eine Waffenruhe zur An- und Abreise sowie für die Zeit der Spiele garantiert.
Prof. Lambrinidis verwies auf kleine Erfolge in den Bemühungen, die Olympischen Spiele für den Abbau von Spannungen in Konfliktzonen der Erde zu nutzen (während der Balkan-Krise durch die Spiele in Lillehammer 1994 oder während des Golf-Konflikts durch die Spiele in Nagano 1998). Für die Spiele 2004 in Athen verfolge seine IOC-Stiftung verschiedene politische Optionen. Eine davon sei, den Fackellauf mit dem olympischen Feuer gezielt durch Krisenregionen zu führen, um für diese Zeit zumindest einen kurzen Moment der Sicherheit für humanitäre Aktionen zu ermöglichen.
Am Ende der Studienfahrt hatten die Schüler Gelegenheit zu einem Seminar in der Akademie des IOC in Olympia. Besonders beeindruckend war für alle die Möglichkeit, sich in der Bibliothek der Akademie zum Thema „Olympia“ an Hand von Originalquellen der olympischen Bewegung zu informieren: Wissenschaftliche Publikationen, Schatullen der Bewerbungsunterlagen der Städte und Regionen für die jeweiligen Spiele und Fackeln des olympischen Feuers gehörten dazu.
Da war es nach strapaziösen Studien für alle schon eine kleine Belohnung, am letzten Tag in der Nähe Olympias am Strand des Ionischen Meeres ein ausgiebiges – im Übrigen auf hohem Niveau ausgeführtes – Beach-Volleyball-Turnier erleben zu dürfen.
Zu hoffen bleibt, dass die Schüler den Schwung der Studienfahrt auch in die sonst manchmal eher ernüchternde Wirklichkeit des Schulalltags mitnehmen können: Dort geht es im Leistungskurs in den nächsten Wochen im Rahmen des Kursthemas „Sport und Gesellschaft“ nämlich um die Geschichte und um aktuelle Fragen der olympischen Bewegung.
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