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GutsMuths - Biografie.
GutsMuths, J.C.F.
.. Joh. Chr. Fr. GutsMuths
Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes

Ausgewählte Spielbeschreibungen
Erste Klasse Bewegungsspiele



 

3. Ball mit Freistätten 
(oder Das englische Baseball)

Bei der Beschreibung dieses Spieles werde ich mich kurz fassen können, denn es kommt mit dem deutschen Ballspiel in der Hauptsache überein, folglich bin ich berechtigt, meine Beschreibung nur für solche Spieler einzurichten, die das deutsche Ballspiel verstehen.
Fast alles ist bei diesem Baseball, das in England sehr häufig getrieben wird, kleinlicher und erfordert weniger Kraftäußerung im Schlagen und Laufen usw. Dagegen verlangt es, wo nicht noch mehr, doch ebensoviel Aufmerksamkeit und bindet sich mehr an allerlei kleine Regeln. Das deutsche Ballspiel wird es, so angenehm es auch ist, nie völlig verdrängen können. Man spielt, so wie bei jenem, mit zwei Parteien, wovon eine die dienende, eine die herrschende ist. Auch ihre Verrichtungen sind im ganzen wie beim deutschen Ballspiel, man schlägt, läuft usw.
Das Abgehende liegt in folgendem, die Raquett ist leichter, ein Schuh acht Zoll lang, an ihrer breitesten Stelle etwa vier Zoll breit, einen Zoll dick und sieht aus wie Zeichnung 2 y. Man kann daher nur kurze leichte Schläge tun. Der Aufwerfer steht fünf bis sechs Schritt vom Schläger und wirft ihm den Ball in einem gestreckten Bogen zu.
 
Zeichnung   
2
Eine Bogenlinie AB, Zeichnung 2, macht das Schlagmal, von hier aus wird der Ball wie beim deutschen Ballspiel geschlagen.

Statt des Fangmals sind seitwärts so viele Freiplätze mit Stäben aufgesteckt und mit Taschentüchern bezeichnet, als eine Partei Personen hat, doch wird hierbei das Schlagmal als ein Freiplatz mitgezählt. Sie sind mit 1, 2,3, 4, 5 bemerkt und werden zehn bis fünfzehn Schritt voneinander ganz nach willkürlicher Richtung abgesteckt. Der Schläger hat im Mal drei Schläge. Hat einer davon den Ball nur so viel berührt, daß man es zischen hört, oder will man weniger streng sein, daß der Ball dadurch aus dem Mal herausgestoßen wird, oder hat er dreimal durchgeschlagen, so muß er von A-B ab durch alle jene Plätze nach und nach fortlaufen, bis er wieder ins Mal kommt. Sind viel Personen auf einer Partei, so sind der Freiplätze mehr, mithin wird die Laufbahn dadurch auch länger. - Die Dienenden stehen willkürlich hinter, neben und zwischen diesen Freiplätzen, z. B. in a, b, c, d, e, weil der Ball dorthin geschlagen wird
.
Der Schlag kann für die herrschende Partei auf drei Arten verloren gehen, nämlich durch Fangen, verbrennen und berühren. Ich erläutere diese drei Fälle, dann sind die Regeln und Gesetze des Spieles gegeben.

1) Fangen: Wenn der geschlagene Ball von irgendeinem Dienenden, es sei, wer es wolle, unter den Bedingungen wie beim deutschen Spiel gefangen wird, so hat die andere Partei den Schlag verloren. Auf diese Art wird der Schlag am sichersten und ohne alle Widerrede gewonnen, nur muß derjenige, welcher fing, seinen Mitdienenden zurufen: herein! herein! oder: ins Mal! und wenn diese dahin laufen und fast angelangt sind, dann muß er den Ball über den Kopf rücklings fortwerfen, damit ihn die verlierende Partei nicht erhascht, die Erklärung siehe unten, unter 3e), und selbst ins Mal laufen. - Rücklings geschieht der Wurf deshalb, damit nicht zu weit geworfen werden kann.

2) Verbrennen: Es geschieht in zwei Fällen.
a) Wenn ein laufender Schläger vergessen hat, einen Freiplatz mit der Hand zu berühren, so läuft der erste beste Dienende, der es bemerkte, nachdem er sich den Ball ohne Angebung der Ursache oder vermittels heimlichen Zuwinkens von seinen Mitspielern hat geben lassen, nach der nicht berührten Freistätte, ruft seinen Mitdienenden zu: herein! herein! und wirft dann den Ball unter dem Ausruf: verbrannt! an den Freiplatz. Das Daranwerfen muß so geschehen, daß der Ball nur streift und mithin weiter fortfliegt, und der Werfende muß dann schnell ins Mal laufen. Das Warum siehe unter 3e).
b) Wenn kein Schläger im Mal ist. Dann nimmt der Aufwerfer den Ball, ruft wieder seinen mitdienenden Gespielen zu: herein! und wirft den Ball unter dem Ausrufe: verbrannt! in schräger Richtung gegen den Boden des Males, so daß er weiter fortfliegt und nicht gleich liegen bleibt. Ursache siehe unter 3e). Er selbst aber darf beim Werfen nicht innerhalb des Bogens A-B stehen und muß nach dem Wurf gleich hineinspringen.

3) Berühren oder werfen: Kein Schläger darf sich außer dem Mal mit dem Ball berühren, das ist werfen lassen, sonst hat seine Partei den Schlag verloren. Dieses Gesetz ist sehr wirksam und äußert sich in folgenden Fällen.

a) Hat der Schläger den Ball getroffen, so läuft er nach  1, 2, 3 usw. fort, bis der Ball ins Mal geworfen ist, alsdann darf er nicht weiter, sondern muß auf dem freien Platz stehen bleiben, wo er ist, bis ein neuer Schlag geschieht oder der Ball auf sonst eine Art aus dem Mal kommt.
Läßt er sich nun bei diesem Laufen von irgendeinem Dienenden werfen, so ist der Schlag für seine Partei weg. - Es ist schon oben gesagt, daß der Schläger im Mal das Recht zu drei Schlägen habe, trifft er alle drei Mal den Ball nicht, so muß er doch laufen, und da der Aufwerfer den Ball gleich bei der Hand hat, so wirft er gewöhnlich nach ihm. Trifft er den Laufenden, ehe er den ersten Freiplatz berührt, so ist der Schlag verloren. - Ganz derselbe Fall tritt ein, wenn er den Ball nur so wenig berührt, daß er nicht fortfliegt.

b} Wenn mehrere Schläger schon geschlagen haben und ausgelaufen sind, so sind mithin schon mehrere Freiplätze besetzt. Wir wollen annehmen, dies sei mit 3 und 4 der Fall. Da trifft es sich nun oft, daß bei einem neuen Schlag die Person in 3 weiterläuft, daß aber 4 aus Unachtsamkeit oder weil ihm ein Dienender mit dem Ball zu nahe ist, stehen bleibt, und daß mithin in dem Freiplatz 4 dann zwei Personen stehen. Dies ist wider die Ordnung des Spieles, denn es darf immer nur eine Person in einem Platz stehen. Läuft in diesem Falle die Person in 4 nicht schnell nach 5, oder die zuletzt angekommene wieder nach 3 zurück, so kann der erste beste Dienende, der den Ball hat oder schnell dazu fordert, hinzulaufen und entweder die Person werfen, oder einen von den Freiplätzen auf obige Art verbrennen, und dann ist der Schlag verloren.

c) Wenn ein Schlag geschieht, kann jeder Schläger immerfort von einem Freiplatz zum anderen weiterlaufen, so lange bis der Ball von den Dienenden wieder ins Mal geworfen ist. Dann muß er im Freiplatz, wo er ist, stehen bleiben; ist er aber etwa schon weiter als über die Hälfte bis zum nächsten Platz, so kann er jedoch noch bis ganz dahin laufen. Versieht er es aber und läuft nach der Ankunft des Balles im Mal doch weiter, so kann, wenn er nicht schnell zurückläuft, jeder Dienende herbeieilen und ihn mit dem Ball berühren, oder den Freiplatz verbrennen. In beiden Fällen ist der Schlag verloren. Dasselbe findet statt, wenn er beim Zurücklaufen mit dem Ball getroffen wird.

d) Wenn ein Schläger ohne Erlaubnis des Aufwerfers aus dem Schlagmal A-B geht, so kann ihn derselbe berühren, und der Schlag ist verloren.

e) Wenn die eine Partei A, die bisher am Schlag war, auf irgendeine der bisher unter 1), 2), 3) angeführten Arten den Schlag verloren hat, so wird, von dem Augenblick an, die bisher dienende Partei B als Herrschende angesehen. Daher müssen alle Personen von B, die noch draußen stehen, im Augenblick des Gewinnens äußerst schnell in das Mal eilen; denn wenn jetzt jemand von A den Ball erhäschen und irgendeinen von B, der noch außer dem Mal ist, damit treffen kann, so hat B den Schlag schon wieder verloren, und A ist wieder herrschend. Dagegen hat [im] Augenblick B jetzt wieder das Recht, irgendeinen von A zu berühren. Tut sie dies, so ist sie wieder herrschend. Hierdurch entsteht mithin eine sehr lustige, nur kurze Zeit dauernde Bataille, und diejenige Partei bleibt am Ende herrschend, welche einem der anderen den letzten Wurf beibrachte. Hierin liegt die Ursache, daß beim Fangen der Ball rücklings fortgeschleudert und beim Verbrennen und l Berühren so geworfen werden muß, daß er von dem geworfenen Gegenstand noch weiter fortfliegt, damit ihn keiner ' von der Gegenpartei sogleich erhäschen und wieder dairmit werfen kann.

Aus dem Bisherigen ergibt sich zugleich, was jede Partei zu verrichten habe. Dies Spiel hat alle Vollkommenheiten des deutschen Ballspiels, nur erfordert es auf der einen Seite weniger Kraftäußerung und dagegen auf der anderen mehr Aufmerksamkeit, weil es an mehr Regeln gebunden ist.
 
 
 

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