Vielseitiges Laufen, Stoßen, Werfen
 
 
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Hallenbiathlon
- Unterrichtsentwurf - 

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         von Rike Fischer
 

Hallenbiathlon - Unterrichtsentwurf


 
 
Didaktische Überlegungen
Dass die Leichtathletik als Schulsportart häufig unbeliebt ist, liegt an ihrer Reduktion auf den „Schneller, Höher, Weiter“- Gedanken, an der Beschränkung auf eine kleine Auswahl von Disziplinen und an den häufig grausamen Leistungsvergleichen, die Freude an der Bewegung oder eigenen Leistung bei vielen Schülern trüben. 
Die Ziele der Spielleichathletik sind daher eine Öffnung der Leichtathletik für den Spielgedanken, für Vielseitigkeit, Bewegungsreichtum, soziales Miteinander und Wagnis unter Beibehaltung aller bisherigen Elemente wie Üben, Wettkämpfen und Leistungsvergleichen . Der Vorschlag für Biathlon in der Schule in verschiedener Form taucht sowohl bei Katzenbogner/ Medler  und bei Frey u.a.  auf, allerdings machen beide keine Aussagen über die Startweise, die Staugefahr an Stationen, die Gefahr, andere Schüler zu treffen, herumrollende Bälle, ungleiche Gruppenzahlen und über das Problem des Drucks, der bei Biathlon automatisch auf leistungsschwache Schüler einwirkt. 
Überträgt man die Zielsetzungen der Spielleichtathletik auf die heutige Stunde, so wird der Spielgedanke durch den Wettbewerb zwischen den Teams mit festen Regeln umgesetzt. Die tragende leichathletische Grundfertigkeit ist das zweckgebundene Laufen in Staffelform, und die Badmintonwurfbewegung/ der Medizinballstoß im neuen Kontext „Zielwerfen“ - eine bisher unbekannte Kombination. Dass die Bewegungshandlungen eine erlebnisorientierte Komponente besitzen, nämlich das Erreichen eines Zieles und das Treffen bzw. Nichttreffen eines Zieles, macht sie für die Schüler spannender als der bisher übliche Vergleich von Zeiten und Längen. Die Kombination von drei Disziplinen bietet Abwechslung und fordert gleichzeitig die unterschiedliche Muskelgruppen. Da nur zwei Versuche in den Wurfdisziplinen erlaubt sind und die körperlichen Leistungen in kürzester Zeit erbracht werden müssen, müssen die Schüler bei jedem Versuch hoch konzentriert sein. Erfolge und Misserfolge müssen dabei sofort verarbeitet werden und dürfen die Konzentration möglichst nicht beeinflussen. Die soziale Komponente kommt dadurch ins Spiel, dass auch leistungsschwächere Schüler das Ziel treffen oder mit dem Team gewinnen können und dass sich das Team bezüglich der „Joker“ absprechen muss. Dem Spaß am Spielen und Wettkämpfen, der bei dieser Klasse besonders bei den Jungen sehr ausgeprägt ist, wird ebenfalls Genüge getan. 

Methodische Überlegungen und Stundenverlauf
In der heutigen Stunde soll ein zeitlich begrenzter Biathlon durchgeführt werden. Um dem gerecht zu werden, sind die Wurfstationen so gewählt worden, dass sie räumlich gegeneinander abgegrenzt und schnell zugänglich sind. Ich habe die Wurfstationen selbst entwickelt, weil es sehr schwierig ist, gefahrlose Stationen zu erfinden und weil ich die Hinführung zum Speerwurf und das schnelle Laufen integrieren wollte. Unter freiem Himmel mit mehr Platz wird es leichter sein, die Schüler diesbezüglich in die Planung zu integrieren.
 

Stundeneinstieg
Der Einstieg in die Stunde wird informierend und kurz sein. 
Darauf folgt ein Aufwärmen durch Aerobic und funktionelles Dehnen. Die Schüler stellen sich dazu in Reihen auf, damit mich jeder sehen kann und keine Verwirrung bezüglich rechts und links bestehen kann, was bei einer Kreisaufstellung der Fall wäre. In der Mitte der Halle, in der „Strafrunde“, ist dafür Platz. Hier findet bereits eine erste kurze Belastung des Herz-Kreislauf-Systems statt, bei der alle Muskelgruppen aufgewärmt werden. Eine kurze Trinkpause ist danach notwendig, weil die Luft furchtbar trocken ist. 

Beim Vordehnen der für den Biathlon relevanten Muskulatur sollten die Schüler selbst Vorschläge machen können.

Hauptteil
Dann werde ich die von Gruppeneinteilungen vorlesen, die ich aus Gründen der gleichstarken Verteilung vorgenommen habe, Doppelläufer mit Parteiband kennzeichnen, und die Gruppen auf „ihren“ Matten, die mit Nummern gekennzeichnet sind, Platz nehmen lassen. Damit ist der Rahmen für das Erklären gesetzt, und die Schüler sind nah genug bei mir, um mich gut zu verstehen, außerdem können sie das gesamte Biathlonfeld übersehen, in dem ich die Aufgaben demonstrieren werde. 

Die Eröffnungsfrage „Kann jemand kurz erklären, was Biathlon ist“ soll Vorwissen aktivieren und auf den heutigen Biathlon vorbereiten. Ich rechne damit, dass  viele Schüler die Antwort wissen, und werde die entscheidenden Unterschiede und Ähnlichkeiten (Disziplinen, Anzahl der Versuche, Strafrunde etc.) anschließend durch Erklärung mit Poster und durch entsprechende Demonstration deutlich machen, mit dem Hinweis „Hört und seht mir jetzt ganz genau zu, wenn ihr danach noch Fragen habt, könnt ihr sie dann stellen.“ um langwierige Erörterungen zu vermeiden. 

Ich rechne trotzdem damit, dass die Klasse unruhig werden wird, wenn ich meine Erklärungen beendet habe, was nur natürlich ist, denn jeder möchte genau wissen, was man darf/ nicht darf. Auf die Fragen werde ich kurz eingehen, dann wird ein Probedurchlauf gemacht. 


Zum Aufbau 
Hallenbiathlon - Unterrichtsentwurf
Jedes Team hat seinen eigene Wurfstation. Diese sind beim Medizinballstoßen durch Bänke voneinander abgetrennt, um ein Herüberrollen des Balles zu verhindern, und jeweils durch Zahlen gekennzeichnet. Die Wurfstationenbezifferung geht beim Medizinballstoßen von 1-6, bei der Badmintonwurfstation von 6-1, damit jede Gruppe von den zurücklegenden Distanzen her gleich benachteiligt bzw. bevorteilt ist. Die Medizinbälle werden in Handtuchringen abgelegt, um ein Rollen in die Laufbahn zu verhindern, die blauen Plastikringe sind hierfür nicht hoch genug. Ich schätze die Gefahr durch herumrollende Medizinbälle auf der Laufbahn höher ein als die Gefahr, dass ein Schüler auf den Handtuchringen an der Wurfstation ausrutscht. Ich werde daher auch an dieser Station stehen. Die Schüler müssen die abgeworfenen Hütchen selbst wieder holen und auf die Kästen zurücklegen. Vergessen sie es, so hat der nachfolgende Schüler aus dem eigenen Team einen Nachteil. Das Gleiche gilt für die Badmintonbälle und die Bananenkartons.

Die Badmintonbälle wurden auf Grund der erforderlichen Wurftechnik gewählt, aber auch, weil es schwer ist, mit ihnen weit zu werfen, und sie dadurch als Wurfstation relativ wenig Platz einnehmen. Ich habe den 6m-Abstand gewählt, weil sonst einige Schüler von vornherein ausgeschlossen wären und weil zusätzlich ein Ziel getroffen werden muss. Berücksichtigt man dazu noch die ungewohnte Bewegung  und die hohe Herzfrequenz der Schüler, dann  sind 6m eine durchaus schwierige Aufgabe. Damit die Trefferwahrscheinlichkeit höher wird, habe ich jeweils zwei Bananenkartons nebeneinander gestellt. 

Aus Platzgründen habe ich mich auch für die Standstöße entschieden, denn sonst wäre die Laufbahn noch kleiner geworden.
Die große äußere Laufbahn ist durch rote Pylonen gekennzeichnet, die Strafrunde durch orangefarbene Markierungsstangen. Die Laufrichtung bei der Strafrunde habe ich durch Kreppbandpfeile auf den Boden geklebt, um Zusammenstöße zu verhindern.

Der „Joker“ soll von der Person genutzt werden, die es am ehesten für nötig hält, eine Strafrunde erlassen zu kriegen. Wenn er nicht genutzt wird, gibt es dafür keine Zusatzpunkte.

In den Pausen zwischen den Durchgängen sollen auftretende organisatorische Probleme und die Frage nach dem Zusammenhang von Treffsicherheit und Herz-Kreislauf-Aktivität besprochen werden. 

Die Durchgänge werden von mir angepfiffen und abgebrochen, wenn mindestens drei Teams stehen. Bei Vierergruppen rechne ich mit ca. drei Durchgängen. 

 

Mit folgenden Problemen rechne ich:
Die Schüler werden teilweise vergessen, die Badmintonbälle an die Wurfstation zurückzulegen. Dafür habe ich schriftliche Erinnerungen auf die Kisten geklebt. Die konditionell schwächeren Schüler werden bei zunehmenden Durchgängen sehr gefordert werden. Zur Erholung genutzt werden können hier die Joker und die Pausen zwischen den Durchgängen. Die Schüler werden einwenden, dass die Aufstellungen der Wurfstationen ungerecht sind. Ich werde auf die umgekehrte Zahlenreihenfolge verweisen. Schwächere Schüler werden sich eventuell über den 5,50m-Abstand bei der Medizinballstation beschweren. Hier kann ich gegebenenfalls mit 1-Schritt-Vor-Jokern Abhilfe schaffen. Kranke Schüler werde ich zum Aufpassen einsetzen.

Lernziele

Motorische und physiologische Lernziele

Die Schüler sollen

  • neue Bewegungserfahrungen machen, z.B. rhythmisierte Kampfsportbewegungen auf Musik, speerwurfähnliches Zielwerfen mit Badmintonbällen und kugelähnliches Zielstoßen aus der Seitauslage mit dem Medizinball 
  • üben, motorisch anspruchsvolle Disziplinen unter Zeitdruck zu absolvieren 
  • üben, im anaeroben Laufbereich sportlich zu leisten 


Kognitive Lernziele

Die Schüler sollen 

  • die Staffelorganisationsform eines Biathlon in vereinfachter Form kennen lernen
  • üben, ihre eigenen Leistungen besser einzuschätzen
  • üben, ihre eigenen Handlungen vorausschauend zu planen und Problemstrategien zu entwickeln
  • üben, sich zugunsten des Spielgedankens an Regeln zu halten 
  • einen Einblick in den Zusammenhang zwischen hoher Herz- und Atemfrequenz und Treffsicherheit erhalten
Affektive Lernziele 

Die  Schüler sollen

  • Freude am Schnelllaufen und am spielerischen leichathletischen Wettkämpfen in Form eines „Biathlons“ entwickeln
  • langsam erfahren, an ihre physische Grenze zu kommen
  • erfahren, in einen fairen Wettstreit zu treten


Soziale Lernziele

Die Schüler sollen üben

  • anderen Mitschülern Hilfe zu gewähren
  • die Handlungen des Teams vorausschauend und gemeinsam zu planen 


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