HOME
GutsMuths - Biografie.
GutsMuths, J.C.F.
.. Joh. Chr. Fr. GutsMuths
Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes

Ausgewählte Spielbeschreibungen
Erste Klasse Bewegungsspiele


16. Das Steinspiel

Man gebraucht zu diesem Spiel nichts als Steine, daher gebe ich ihm diesen Namen, obgleich es in Deutschland und in der Schweiz unter manchen anderen Namen bekannt ist. Der Boden des Platzes sei eben und fest, und man bezeichne hier den Spielraum auf folgende Art, siehe Zeichnung 7 .
 
Auf die Stelle a legt man zwei, drei bis vier Steine von der Größe eines Hühnereies aufeinander, oder man stellt hierher einen kleinen hölzernen Kegel oder pyramidalischen Stein, eine kleine Spanne hoch. Dies ist das Ziel, wonach jeder Spieler wirft. Zu diesem Ende versieht sich jeder Mitspieler, deren sechs, zwölf und mehr sein können, mit einem platten, höchstens einen Zoll dicken Stein, der etwas abgerundet sein kann und so groß als eine Untertasse ist. Man kann auch hölzerne Scheiben dazu gebrauchen; b ist die Stelle, von wo aus nach dem Ziel geworfen wird; sie ist etwa fünf Schritte von a entfernt; c-e und d-f, die etwa fünf Schritte voneinander gemacht werden, sind in den Boden gerissene oder durch Steine bezeichnete Grenzlinien, sowie auch c-d und ef.
 
 

Ehe das Spiel angeht, wird durch Los erst einer zum Wächter gewählt. Dieser spielt die Rolle des Dienenden, denn er muß bei dem Ziel a immer Wache halten und es wieder aufsetzen, wenn es von den Mitspielern umgeworfen ist. Die Werfenden sind in dem Freiplatz vor e-f, und einer nach dem anderen wirft von der Stelle b aus seine Scheibe nach dem Ziel. Hat man sie abgeworfen, so muß man den nächsten Wurf erst dadurch lösen, daß man sie wieder holt, ohne von dem Wächter berührt oder mit seinem zusammengewundenen Schnupftuch getroffen zu werden.

In dieser Kleinigkeit liegt der Reiz des Spieles; denn es ist nicht ganz leicht, wenn der Wächter auf seiner Hut ist, aber doch durch Schnelligkeit möglich. Jeder Spieler, der seinen Stein abgeworfen hat, kann nicht sogleich hinauslaufen, um
ihn wieder zu holen, denn er würde sich ja dem Wächter gerade in die Hände liefern, sondern er bleibt neben b und beobachtet den Wächter; findet er ihn unaufmerksam, so läuft er pfeilschnell hinaus und stellt dort seinen Fuß auf den Stein. Ist der Wächter aber zu aufmerksam, so müssen die Spieler bei b warten, bis einer von ihren folgenden Mitspielern das Ziel umwirft, und dann laufen alle augenblicklich und schnell hinaus, um ihre Steine zu holen; denn es ist die Pflicht des Wächters, das umgeworfene Ziel augenblicklich wieder aufzustellen, und eher kann er keinen auf eine gültige Art berühren.

Oft ist es der Fall, daß man, durch Schnelligkeit sowie durch Langsamkeit des Wächters beim Aufstellen geholfen, hinauskommt und den Stein auch sogleich mit nach b zurückbringt. Liegt in diesem Falle der Stein jenseits der Linie c-d, zum Beispiel in x, so kann man ihn geradezu nehmen und damit nach b zurücklaufen; liegt er aber vor der Linie, z. B. in y, so muß man ihn aufnehmen und erst die Linie c-d damit berühren, ehe man damit zurücklaufen darf.

Ein anderer Fall ist noch gewöhnlicher: wird nämlich der Wächter zu früh fertig, so kann man nicht gleich mit dem Stein zurücklaufen. Liegt der Stein dann jenseits c-d, so stellt man sich mit dem Fuß darauf und bleibt so stehen; ja man kann auch den Stein von x her bis an die Linie c-d heranschieben, um sich den Rückweg zu verkürzen. Solange man so durch den Fuß oder die Hand mit dem Stein in Berührung bleibt, hat der Wächter kein Recht zu berühren, läßt man aber davon ab, so kann er es sogleich. Liegt der Stein aber vor c-d, so darf man hier nicht auf demselben stehen bleiben, denn der Wächter kann hier jeden berühren, es sei wann es wolle, weil der Raum c-d, e-f als verboten angesehen wird. Man muß daher den Stein erst aufnehmen, ihn auf oder hinter die Linie c-d bringen und kann dann hier, wie vorhin, solange mit ihm in Berührung bleiben, bis man in der Unachtsamkeit des Wächters oder im umgeworfenen Ziel eine Gelegenheit findet, wieder nach b zurückzukommen.

Bisweilen tritt der Fall ein, daß kein Spieler das Ziel umwirft und daß folglich keiner seine Scheibe holen kann; dann müssen mehrere von beiden Seiten den Wächter bald hier, bald dort necken, als wollten sie hinauskommen und dadurch seine Aufmerksamkeit teilen, bis einer wirklich seine Scheibe auf diese Art zurückbringt.

Spielgesetze:
1) Wer auf obige Art und unter den obigen Umständen berührt wird, ist Wächter.
2) Wer beim Hinaus- oder Hereinlaufen die Seitenlinien übertritt, wird es gleichfalls. In beiden Fällen nimmt der bisherige Wächter die Stelle desselben unter den Werfenden ein.
Dieses Spiel ist leicht zu beurteilen. Es gewährt Fröhlichkeit, Bewegung, Übung des Augenmaßes; verlangt Schnelligkeit des Körpers, ist durchaus unschuldig und überall, selbst in Zimmern ausführbar, wenn man hier statt der Steine weichere und leichtere Scheiben von sehr dick übereinandergelegten Pappdeckeln nimmt.
 
 

..
Übersicht Bewegungsspiele

zurück
HOME