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GutsMuths - Biografie.
GutsMuths, J.C.F.
.. Joh. Chr. Fr. GutsMuths
Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes

Ausgewählte Spielbeschreibungen
Erste Klasse Bewegungsspiele


20. Das kleine Kugelspiel

Dieses Spiel hat für Knaben viel Interesse, daher findet man es überall im Gange. Da es sowohl im Hause als auch im Freien getrieben werden kann, mäßige Bewegungen gibt und das Augenmaß übt, verdient es, hier mit aufgenommen zu werden.

Die dazugehörigen Kugeln sind entweder von einer schlechten Art Marmor gemacht oder auch nur von Tonerde im Töpferofen gebrannt, einen kleinen Zoll im Durchmesser. Man kann damit ganz so spielen wie beim obigen Kugel- oder Scheibenspiel, indem man eine von dergleichen Kugeln zum Ziele nimmt. Gewöhnlich aber spielt man auf mancherlei Art um die Kugeln selbst.

Man macht ein Loch eine Faust groß in den Boden, welcher ziemlich eben und fest sein muß. Der Spieler können zwei, drei, vier und mehr sein. Drei bis fünf Schritt von dem Loch ist die Stelle, von wo aus die Kugeln nach dem Loch geworfen werden. Hier stellt sich ein Spieler nach dem anderen hin und wirft die bestimmte Anzahl Kugeln ab. Wie groß diese sein soll, wird allemal unter den Spielern ausgemacht, man kann daher nur mit einer oder zwei Kugeln werfen, aber auch diese Zahl immerfort vermehren, bis man nicht mehr in die Hand fassen kann; man wirft daher oft mit sechs, zwölf, vierundzwanzig und mehr Kugeln auf einmal nach dem Loch. Jeder sucht gleich recht viel hineinzubringen, denn nach der Zahl derselben richtet sich in der Folge die Ordnung der Spieler.

Hat nun jeder Spieler geworfen, so kommt es jetzt noch darauf an, diejenigen Kugeln, welche sich rings um das Loch her verlaufen haben, ebenfalls hineinzuspielen. Derjenige, welcher die meisten Kugeln im Loch hat, macht damit den Anfang. Er stößt mit dem krummgebogenen Zeigefinger eine Kugel nach der anderen ins Loch, und es steht ihm dabei frei, welche er nehmen will; gewöhnlich wählt man diejenigen, welche dem Loche [am] nächsten sind. Aber er darf jeder Kugel nur einen einzigen Stoß geben. Solange er mit solchen einzelnen Stößen Kugeln ins Loch rollt, kann er immer weiter in dieser Arbeit fortfahren; mißlingt es aber bei irgendeiner, so folgt ein anderer Spieler, nämlich derjenige, welcher nach ihm die meisten Kugeln ins Loch warf. Auf diese Art spielt man in der Reihe fort. Derjenige, welcher die letzte Kugel ins Loch bringt, hat sie alle gewonnen. Darauf geht das Spiel von neuem an wie oben, der Gewinner kommt zuerst zum Wurf.

Bei dem Fortstoßen mit dem Zeigefinger gilt dieses Gesetz: Wenn man zu einer Kugel kommt, die man nicht wohl ins Loch bringen kann, so muß man sie doch wenigstens demselben näher bringen und darf nicht mit Fleiß weit darüber hinausstoßen. Besonders gilt dies bei der letzten Kugel, auf welche alles ankommt.

Ich habe noch auf andere Arten Knaben damit spielen sehen. Sie setzten die Kugeln in eine Reihe, einer soviel als der andere. Dann tritt einer nach dem anderen fünf bis acht Schritte vor diese Front und rollt eine Kugel nach derselben hin. Jedes Stück, das er dadurch aus der Reihe stößt, gehört ihm.

Oder: A setzt sich aus, das ist rollt seine Kugel ab, B rollt die seinige nach ihr, C rollt nach der des A oder B. D nimmt mit seiner A, B, C aufs Ziel usw. Wer des anderen Kugel trifft, erhält jedesmal von ihm eine als Gewinn.

Die griechischen Knaben hatten ein Nußspiel, welches ... hieß. Sie beschrieben an dem Boden einen kleinen Kreis, stellten sich in eine kleine Entfernung und warfen mit Nüssen darnach. Derjenige, dessen Nuß im Kreis liegen blieb, erhielt die übrigen seiner Mitspieler, die sich daraus verlaufen hatten.

Dies Spiel kann nicht nur mit Nüssen, sondern auch mit den obigen Kugeln nachgemacht werden. Ein Kreis mit Kreide ist bald gemacht. Jeder Mitspieler wirft eine Kugel nach demselben. Bleibt von allen nur eine darin liegen, so gewinnt ihr Besitzer alle verlaufenen. Haben zwei Spieler a und b jeder eine hineingebracht: so müssen sie stechen, das ist, sie müssen jeder noch eine abwerfen. Bringt dann nur einer seine zweite Kugel hinein, so gewinnt er alle übrigen; bringen aber beide die Kugeln wieder in den Kreis, so muß von neuem gestochen werden.

Will man aber dies öftere Stechen vermeiden, so gebe man dem Kreis einen Mittelpunkt und lasse jedesmal die Kugel gewinnen, welche ihm am nächsten liegt. - Ist gar keine Kugel im Kreis liegen geblieben, so gewinnt diejenige, die demselben nur am nächsten ist.
 

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