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GutsMuths - Biografie.
GutsMuths, J.C.F.
.. Joh. Chr. Fr. GutsMuths
Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes

Ausgewählte Spielbeschreibungen
Erste Klasse Bewegungsspiele



 

f) Winterspiele
Der menschliche Körper läßt sich gegen Hitze und Kälte bis zu einem hohen Grad abhärten. Ich setze dies als ausgemacht voraus und enthalte mich aller Beispiele, um des Raumes zu schonen. Der Nutzen einer solchen Abhärtung liegt deutlich genug vor Augen, und es ist zu verwundern, daß im ganzen noch so wenig Rücksicht darauf genommen wird. „Was soll man mit einem Knaben anfangen, der, wenn es heiß ist, schmelzen will und bei jedem Frost zittert und bebt?" So spricht schon ein griechisches Weib, Theano, zu ihrer Freudin Eubula über weichliche Kinderzucht.

In die Erziehung gehört weder Barometer noch Thermometer, und streng genommen schlechterdings keine Klage über das Wetter, über Kälte oder Hitze; beide erträgt man am besten, wenn man ihren Grad nicht kennt, und die Jugend fragt weder nach dieser, noch nach jener, wenn sie früh dazu gewöhnt wird. Dies läßt sich auf keine angenehmere Art bewirken als durch Spiele; das damit verknüpfte Vergnügen macht die Jugend [die] unangenehmen Eindrücke der Kälte und Rauhigkeit des Klimas vergessen und mit einer Jahreszeit vertrauter, die durch ihre überaus reine, kalte, stärkende Luft für die Gesundheit von so augenscheinlich guten Folgen ist, daß derjenige wahres Bedauern verdient, welchen Geschäfte oder Vorurteil und Weichlichkeit ins Zimmer sperren. Gesunde Kinder sollten im Winter ohne Ausnahme täglich wenigstens einmal eine Zeitlang heraus ins Freie, um sich bei allerlei Spielen abzuhärten, flinker, gesunder und stärker zu machen. Hier sind einige Winterbelustigungen.
 

32. Schneespiele

Warum sollte es der Jugend kein Vergnügen sein, Schneemänner zu machen, so wie der Wandsbeker Bote; oder hohe Säulen von Schnee zu errichten, und sie mit einer Treppe zu versehen, um hinaufsteigen zu können. Fanden doch die Großen viel Freude an dem Eispalast zu Petersburg, warum nicht die Kleinen an allerlei Figuren, die sich bei eintretendem Tauwetter aus Schnee bilden lassen? Diese Spielereien sind nützlich für ihren Körper nicht bloß durch Abhärtung, sondern auch durch Anwendung der körperlichen Kräfte; denn es verlangt Anstrengung, große Schneebälle zusammenzurollen und einen auf den anderen zu türmen, um eine Säule daraus zu bilden.

Einst war es die Freude des französischen Adels, ein Fort von Schnee zu bauen und es mit Schneebällen zu beschießen. So kommandierte 1546, wie uns de Thou erzählt, der damalige Dauphin die Belagerungsarmee eines solchen Forts, welches auf der anderen Seite Franz von Bourbon, Herzog von Enghien, verteidigte. Warum könnte nicht eine zahlreiche Jugendgesellschaft eine Festung von Schnee errichten und sich in Verteidiger und Belagerer teilen? Schneebälle verträten die Stelle der Kanonen- und Bombenkugeln, man liefe Sturm und eroberte oder würde zurückgeschlagen usw.
Ich habe nur an eines dabei zu erinnern. Wenn sich der Schnee bei diesem Spiel nicht gut ballen läßt, so ist es unausführbar; hat er aber diese Eigenschaft zu sehr, so ist ein kernhaft geworfener Schneeball für das Gesicht nicht ohne alle Gefahr, man muß also ausmachen, nicht scharf zu werfen, oder die Spieler müssen Helme von Karton haben.
Höchst angenehm ist für die Jugend das Schlittenfahren überhaupt, aber ganz besonders von einer Anhöhe herab. Über dies letztere will ich hier einige Bemerkungen machen. Der Abhang darf nicht zu steil sein; und es ist hinlänglich, wenn die schräge Fläche in einem Winkel von 10 Grad über die Horizontalfläche hinausläuft; 15 Grad sind schon zum Überfluß steil. Wollte man steilere Bahnen wählen, würde die Bewegung zu gewaltsam und gefährlich, sobald der Schnee glatt gefroren wäre; selbst eine Bahn von 10 Grad Neigung ist nicht mehr zu gebrauchen, wenn der Schnee durch Fahren und Sonnenblicke zu Eis geworden ist. Die Bahn muß schon vor dem ersten Frost von allen Steinen gereinigt werden, und sie ist je länger, je besser. Ein gewöhnlicher Schlitten, Zeichnung I4A, ist hierzu hinreichend.

Kufen von Pflaumenholz sind die besten, weil sie wegen ihrer Härte sehr gut gleiten. Der Schlitten B ist aus sehr starken Brettern zusammengesetzt. Seine Kufen müssen ebenfalls von festem Holz sein.


Auf diesem letzteren hat der Fahrende einen so festen Sitz in der Vertiefung, daß hier gar kein Anhalten nötig ist; bei dem ersten Schlitten aber sitzt er frei auf dem Sitzbrett, welches auf den beiden Böcken befestigt ist. Um hier festzusitzen, faßt er die beiden Enden des hinteren Bockes und schließt die Beine vorn an die Hörner der Kufen. Der Geübte hat das erste nicht nötig, sondern sitzt ganz frei. Das Lenken des Schlittens geschieht am sichersten mit den Füßen. Ist er im Laufen und geht zu weit links, so darf man nur mit dem Absatz des rechten Fußes etwas auf den Boden schlagen, so dreht er sich sogleich rechts; denn es ist natürlich, daß er sich hinten links schwenkt, wenn man ihm vorn, auf der Seite rechts einen festen Punkt gibt, um den er sich dreht.

Die sehr schnelle Bewegung, sowie vorzüglich das Gefühl der Herrschaft über den Schlitten macht jungen Leuten diese Übung interessant, und durch das stete Bergansteigen, nach dem Herunterfahren, erhält der Körper eine heilsame Bewegung. Noch weit mehr Vergnügen gewährt sie, wenn man sie in ein Ringelrennen verwandelt und dieses mit Preisen verbindet. Man hänge zu dem Ende einen Ring auf die gehörige Art an einen Stab, den man von außen her bis fast über die Bahn richtet, oder man nehme ganz die Einrichtung von den Ringrennen.. Ich würde dazu just eine Stelle wählen, wohin der Schütten von selbst nicht ginge, snndcrn wohin er gelenkt werden müßte.
Auf ähnliche Art kann rnan auch das Hauen nach einem Türkenkopf damit verbinden. Statt des Kopfes dient ein hölzerner Zylinder, der auf einer drei Zoll hohen beweglichen Unterlage ruht, die durch den Hieb wegggeschlagern wird, so daß jener Zylinder stehenbleibt.

 

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