HOME
GutsMuths - Biografie.
GutsMuths, J.C.F.
.. Joh. Chr. Fr. GutsMuths
Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes

Ausgewählte Spielbeschreibungen
Erste Klasse Bewegungsspiele



 

g) Gesellschaftsspiele

34. Blindekuh

Diese Benennung ist nun einmal im Deutschen aufgenommen, ich behalte sie daher bei, weil ich kein Recht habe, der Sprache eine andere aufzudringen. Ich nenne dieses Spiel vorzugsweise Blindekuh, weil es ohne Zweifel die Grundlage von allen anderen Abarten ist. Es ist ein klassisches Spiel und hieß bei den Griechen ...... Die Gesellschaft ....., das ist, ich will eine eherne Fliege jagen.... das heißt, du wirst sie jagen, aber nicht fangen, und dabei rupften und zupften sie ihn so lange, bis er einen erwischte, der dann für ihn die Rolle übernehmen mußte.

Ganz dasselbe sehr lustige Spiel ist unser gewöhnliches Blindekuh, auch gebraucht man dabei allerlei Formeln wie die 
griechische Jugend. Man entledige, wenn das Spiel im Hause gespielt werden soll, das Zimmer soviel als möglich von allen, Gerätschaften, über die man fallen, oder an welche man sich stoßen könnte, und lasse von den Sehenden ringsumher die Wände einnehmen. Auch mache man es, wie es gewöhnlich ist, jedem zur Pflicht, zu rufen: es brennt, wenn der blinde Mann in Gefahr ist, mit einem harten Gegenstand zusammenzurennen.

Wenn die Augen verbunden sind, so wird die Blindekuh erst ausgeführt, mit den Worten:
Blindekuh, wir führen dich.
Wohin?
In die Wüste, wehre dich!
Gegen wen?
Es gibt da der Hunde viel, davon dich jeder beißen will. Wenn sie dir zu mächtig sind, fleuch vor ihnen wie der Wind!
Hier bekommt sie einen kleinen Stoß und wird entlassen.
Je lebhafter die Blindekuh ihre Rolle spielt, je mehr die ; Sehenden um sie herumspringen und sie im freundschaftlichen Spaß foppen, je angenehmer wird das Spiel. Die Blindekuh f spitzt die Ohren, um zu erforschen, wo ein Umstehender sei; sie schreitet mit hochaufgehobenen Beinen mehr heran, die  Arme werden weit ausgestreckt, ihr Gegner drückt sich in einen Winkel, sie fährt zu und ergreift - nichts; durch eine schnelle Wendung des Körpers rettet sich jener unter ihren Armen weg, und ein allgemeines Gelächter belebt auf einmal die Gesellschaft.

Dieses Spiel vereinigt sehr viel Zweckmäßiges in sich, Bewegung, Fröhlichkeit, Geschicklichkeit des Körpers und Beobachtungsgeist. Wenn man es auf einem freien Rasenplatz vornehmen will, so ist es nötig, den Spielraum in Grenzen einzuschließen, sonst möchte es der Blindekuh unmöglich werden, je einen zu erhäschen.

Abänderung. Die Blindekuh wird nicht schon dadurch frei, wenn sie irgendeinen erhascht, sondern sie muß, nachdem sie dem Gefangenen durch das Wort Halt! stillstehen geboten hat, seine Hände oder das Profil seines Gesichts betasten und daraus die Person erkennen. Kann sie dies, so ist sie frei und der Erkannte Blindekuh. Durch diese Übung des Gefühls in Beurteilung sinnlicher Eindrücke erhält das Spiel eine Vollkommenheit mehr sowie mehr Ähnlichkeit mit der griechischen M., bei welcher die Umstehenden den Blinden neckten und foppten, bis er einen ergriff, den er aber beim Namen nennen mußte, um seine Rolle auf ihn zu bringen.

Die stille Blindekuh
(Le Colin Maillard)

Die Gesellschaft bildet einen Kreis um den GeblendetenJ der mit einem Stab in der Mitte steht. Man tanzt Hand in Hand um ihn her, bis er, mit dem Stock an den Boden klop fend, stillstehen gebietet. Jetzt streckt er den Stock nach irgendeiner Person des Kreises aus. Diese muß ihn ergreifen und die Blindekuh hat das Recht, einen dreimaligen Laut von ihr zu fordern. Man verstellt hierbei die Stimme soviel als möglich. Ist der Laut dreimal gegeben, so muß die Blindekuh hieraus die Person erkennen. Kann sie dies nicht, so bleibt siel Blindekuh, man verlacht sie bei Nennung des falschen Namens und fängt den Ringeltanz von neuem an; kann sie aber die l Person nennen, so ist sie frei, und der Genannte wird Blinde kuh.

Dieses Spiel empfiehlt sich durch [Förderung] der Fröhlichkeit, durch Übung des Gehörs und durch einige damit verbundene Bewegung.

Fast ganz dasselbe und nur wenig davon unterschieden ist das französische Colin Maillard, welches auf zweierlei Art gespielt wird. Colin, die Blindekuh, steht in der Mitte, und: seine Gespielen sitzen um ihn her. Diese wechseln ihre Plätze, einer von ihnen führt die Blindekuh zu einer Person und fragt: Wer ist das? Colin muß erraten, darf aber die Hände gar nicht, gebrauchen und ist auch nicht berechtigt, einen Ton zu verlangen. Er hat also gar keinen Beistand als das Ungefähr. Trifft er die Person, so ist er frei, im entgegengesetzten Fall wechselt man von neuem und läßt wieder erraten. Dies Erraten taugt nichts, die Blindekuh gehe nach dem Wechseln der Plätze selbst zu einer Person und ziehe mit dem Finger über das Gesichtsprofil oder betaste ihre Hand und suche sie dadurch zu erkennen.

Man spielt dieses Spiel auch stehend. Es gehört eigentlich nicht zu den Bewegungsspielen, hat aber hier seinen Platz erhalten, wegen seiner Verwandtschaft mit dem vorigen.
 

..
Übersicht Bewegungsspiele

zurück
HOMEHOME