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GutsMuths - Biografie.
GutsMuths, J.C.F.
.. Joh. Chr. Fr. GutsMuths
Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und Geistes

Ausgewählte Spielbeschreibungen
Erste Klasse Bewegungsspiele


5. Torball
(oder Das englische Cricket)
Dies bei uns unbekannte Spiel ist aus England herübergeholt; da wird es ja den wohl allgemeinen Beifall finden, zumal wenn ich noch hinzusetze, daß es dort, so wie das Billard, ordentlich auf Regeln gebracht, selbst von den vornehmsten Personen, um Guineen gespielt wird und daß eben deswegen dabei alles abgewogen, gemessen und nach Regeln bestimmt ist. Im Ernst, es ist ein vortreffliches Spiel, es läßt sich auch ohne Guineen von jung und alt spielen und verdient, selbst als Spiel um Geld, wenn Erwachsene nun einmal nicht anders spielen können, vor den Karten den größten Vorzug; denn hier ist das Geld doch wenigstens mit sehr reellem Gewinn für die Gesundheit angelegt.
 
Instrumente: In England kosten sie schön gemacht wohl eine Guinee, wir Deutschen brauchen wenige Groschen dazu. Der zum Ball bestimmte Knäuel von grobem wollenem Garn wird erst eine Nacht lang im Wasser geweicht, dann um ein mndcs Stückchen Kork äußerst fest gewickelt, dann gebacken. Der Überzug ist von starkem lohgarem und naß darum gemachtem Leder, äußerst straff. Die Schwere des Balls ist genau fünf und eine halbe, höchstens fünf und dreiviertel Unzen. So genau ist das nicht zu nehmen.

Die Rakette (bat) muß für Erwachsene von festem, für die Jugend kann sie von leichterem Holz sein, drei und einen halben Fuß Leipz[ig] lang (noch bestimmter bis zur vollen Höhe der Hüften des Spielers), vier und einen halben bis  dreiviertel Zoll breit. Ihre Form siehe Zeichnung 3c, und ihre übrige Bearbeitung im Durchschnitt b. Es ist ein ziemlich massives Instrument, das unten an der dicksten Stelle anderthalb Zoll dick ist. 

Die Tore (wickets, Pförtchen) können schön gedrechselt sein, aber man gebraucht auch bloß Ruten dazu, die man vom  nächsten Zaune schneidet, siehe Zeichnung 3C, Ein solches Wicket von drei gegabelten Ruten, das im Boden festgesteckt wird, ist gesetzmäßig zwei Leipziger Fuß hoch (nach Belieben), hat oben ein in den Gabeln liegendes Querholz (the bau) von sechs und einen halben Zoll Länge. Die Ruten stehen so nahe zusammen, daß der Ball nicht zwischen ihnen durchgeworfen werden kann, ohne sie zu berühren.
Das Spiel ist von zweierlei Art, doppelt und einfach.

Vom doppelten Torball 
(double wicket) 

Die Gesellschaft kann nicht wohl unter acht, am bequemsten zwölf, aber auch mehr Personen stark sein. Sie teilt sich, wie beim deutschen Ballspiel, durchs Los oder Übereinkunft in zwei an Zahl und Fertigkeit gleiche Parteien. Dann wird gelost etwa nach Anhang I. 2, welche Partei zuerst ins Spiel gehen, das ist den Anfang machen soll. Die Tore werden auf einem möglichst ebenen Platz, der mit kurzem Rasen überzogen oder auch ganz kahl und fest sein kann, 25 bis 30 Schritte (genau genommen 66 englische Fuß) weit voneinander in den Boden gesteckt, so daß sie sich parallel sind. Man sehe Zeichnung 3 x-y. Man reißt in den Boden die drei und einenhalben Fuß lange Rollgrenze o-o (Bowlingcrease) mit ihren zurücklaufenden Seitengrenzen n-n, und innerhalb der beiden Tore vier Fuß von ihnen abwärts, oder etwas mehr als die Rakette lang ist, die beiden Scblaggrenzen m-m. Nach diesen Vorbereitungen mag das Spiel angehen.

Wir nehmen hier jede Partei zu sechs Personen an, nämlich a, b, c, d, e, f und 1, 2, 3, 4, 5, 6. Jene sollen zuerst ins Spiel gehen, das heißt sie sollen den Ball schlagen, um Points zu machen. Zu dem Ende stellen sich zwei von ihnen, z. B. a-b (gewöhnlich nimmt man die besten Schläger nicht zuletzt), jeder mit einer Rakette versehen, in den beiden Schlagräumen, das heißt zwischen oo und m-m seitwärts neben ihr Tor, folglich jeder auf eine der Stellen p. Die übrigen Personen ihrer Partei haben jetzt nichts zu tun, außer einem, der das Kerbholz zum Einschneiden der Points führt. Ihre Gegner aber gehen in die Stellen 1, 2,3, 4,5, 6. Die Personen 1 und 2, welche in der Rollgrenze stehen, rollen den Ball am Boden weg nach den Toren, nämlich 2 nach Y und i nach X, in der Absicht, dieselben zu treffen. Dies geschieht mit aller Schnelligkeit und ziemlicher Kraftanwendung. Die beiden Schläger a und b aber sind gleichsam die Torwächter und suchen den Ball jedesmal mit den Raketten davon zurückzuschlagen und so aus den Händen der Gegenpartei 1-6 zu bringen. Sooft einer den Ball fortschlägt oder überhaupt, sooft der Ball aus den Händen der Gegner 1-6 fortkommt und erst wieder herbeigeschafft werden muß, wechseln a und b ihre Plätze, das ist a läuft auf den bisherigen Schlagplatz des b und dieser auf den des a. Ist der Ball weit genug, so suchen sie dies sooft als möglich zu wiederholen, denn für jede Abwechslung schneidet ihre Partei a-f einen Punkt ins Kerbholz.

Dagegen bemühen sich ihre Gegner, so bald als möglich den a oder b vom Schlag abzubringen; dies kann auf mancherlei Art geschehen und soll in der Folge angegeben werden. Verliert wirklich a oder b den Schlag, so tritt einer ihrer Mitspieler, z. B. c an seine Stelle, und man spielt wie vorhin weiter. Auf diese Art kommt ein Schläger nach dem anderen vom Spiel ab und wird so lange von den anderen noch nicht am Schlag gewesenen ersetzt, bis von a-f keiner mehr übrig ist. Sind so die beiden letzten Schläger in Arbeit, und es verliert einer von ihnen den Schlag, so gehen beide ab, weil zum Ersatz des einen keiner mehr da ist, und die Partei a-f hat ihren ersten Gang beendigt. Jetzt gehen die Gegner 1-6 ins Spiel, um sich Points zu verschaffen, und a-f treten an die bisherigen Plätze derselben.

So geht das Spiel fort wie vorhin; hat 1-6 den ersten Gang gemacht, so kommt dann a-f wieder ans Spiel und macht den zweiten usw. Die Zahl der zu machenden Points kann allenfalls zu Anfang des Spieles festgesetzt werden, auf 44,36, ja bis 101, wenn viele Spieler da sind, und es kommt darauf an, welche Partei sie in den wenigsten Gängen und mit den wenigsten Schlägern voll hat. Weit gewöhnlicher und besser ist es aber, die Zahl der Points gar nicht, hingegen die Zahl der Gänge jeder Partei festzusetzen, wobei dann diejenige gewinnt, welche in einem, zwei oder mehreren Gängen die meisten Punkte zustande bringt.

Jetzt werden folgende Gesetze über den Verlust des Schlages verständlich sein.
Der Schläger kommt vom Schlag ab: 
1) Wenn der gerollte Ball sein Tor berührt, so daß das Querholz herabfällt oder eine Rute aus dem Boden herausfährt. (Wenn man lieber will, überhaupt, wenn der Ball das Tor nur berührt?)

2) Wenn der zurückgeschlagene Ball in die Luft springt und von einem der anderen Partei gefangen wird.

3) Wenn das Querholz von einem der Gegner mit dem Ball in der Hand herabgestoßen oder durch einen Wurf mit demselben herabgebracht wird, indem der Schläger nicht in der Schlaggrenze steht, oder die Rakette nicht hineinhält.
(Dies ist häufig der Fall, wenn die Schläger die Plätze wechseln und nicht schnell genug ankommen, oder wenn der Schläger nach verfehltem Schlag aus dem Schlagplatz gesprungen ist, oder sich vergißt und die Rakette nach dem Schlage nicht schnell genug in den Platz niederstößt.)

4) Wenn der Schläger von seinem Platz läuft, um das Fangen des aufgeschlagenen Balls zu hindern.

5) Wenn sein Gehilfe den Ball in die Luft geschlagen hat, und er schlägt ihn noch einmal, oder der so geschlagene Ball berührt sein Tor.

6) Wenn er den gerollten Ball mit der Hand berührt oder aufnimmt, ehe er still lag.

7) Wenn er sein Bein gebraucht, um den Ball vom Tor abzuhalten, es sei durch Stoßen oder bloßes Vorsetzen, und der Ball dann wirklich an das Bein kommt.

8) Wenn er durch Unvorsichtigkeit beim Schlagen das Tor mit der Rakette berührt oder gar das Querholz herabschlägt.

9) Wenn beim Wechseln der Plätze die Schläger schon nebeneinander weggelaufen sind, und es wird von den Gegnern das Querholz von einem Tor herabgestoßen; so ist derjenige vom Schlag, der nach demselben hinläuft. Sind sie aber noch nicht nebeneinander vorbei, so ist der vom Schlag, der das berührte Tor verläßt.

Gesetze und Regeln für die Spielenden
a) für die Schläger:
1) Wenn der Ball den Gegnern aus den Händen gekommen, aber nur wenig entfernt ist, und die Schläger wollen wechseln, so muß derjenige, dessen Tor der Ball am nächsten liegt, nicht gleich zu dem anderen laufen, sondern warten, bis der andere Schläger fast in seinem Platz angekommen ist. Warum, das lehrt die Praxis.

2) Er darf die Rakette nicht vor das Tor halten, wenn der rollende Ball kommt, ebensowenig darf er selbst davor treten. Die Rakette muß, zum Schlag bereit, von dem Boden in die Höhe gehalten werden, sobald der Rollende, welcher vom anderen Tor den Ball herüberrollen will, ruft: Achtung! (play!)

3) Er darf nicht mit der ganzen Länge der Rakette an dem Boden durchstreichen, sondern muß einen ordentlichen Schlag nach dem Ball tun, und zwar nur einen einzigen.

4) Wenn er nach dem Ball schlägt, so kann er zwar, durch Heftigkeit getrieben, aus dem Schlagplatz weichen; er muß aber augenblicklich Hand, Fuß oder Rakette wieder ins Mal stellen, denn wenn der Rollende, oder sonst ein Gegner, den Ball schnell erhascht und damit das Querholz herabstößt, ehe er Hand, Fuß oder Rakette im Mal hat, so ist er vom Schlag
ab. Aber sobald als der gerollte oder geschlagene Ball wieder in den Händen des Rollenden ist, und er, der Schläger hat Hand, Fuß usw. schon wieder im Mal gehabt, so braucht er dann nicht mehr seine Stelle zu halten, bis wieder gerufen wird Achtung!
Man macht es auch wohl bei diesem Spiel zum Gesetz, daß Hand oder Fuß nichts gilt, sondern daß man mit der Rakette nach dem Schlag an den Boden niederstoßen muß, tut man das später, als der Rollende das Tor mit dem Ball in der Hand oder durch Werfen berührt, so ist man vom Schlag ab. Dies scheint mir noch besser.

5) Hat der Ball von dem gegenüber Stehenden einen Schlag erhalten, daß er wieder auf das Tor fliegt, woher er kam, und das Querholz herabgestreift, so ist der dabeistehende Schläger vom Schlag; er hat daher das Recht, einen solchen Ball auf alle Art, selbst mit einem Körper, abzuhalten.

6) Wenn der Ball aufgeschlagen ist und die Gegner ihn fangen wollen, so können es die Schläger auf alle Art verhindern, nur darf weder die fangende Person noch der Ball berührt werden.

b) für die Gegner:
1) Die Personen in 3, 4, 5, 6 sehen darauf, daß sie den aufgeschlagenen Ball fangen und, was fast stets der Fall ist, ihn so schnell als möglich in die Hände der Rollenden schaffen. Sie müssen daher den Ball gut in die Hände werfen können, denn hierdurch wird das Wechseln der Plätze gehindert.

2) Die Rollenden in i und 2 dürfen den Ball nur rollen aber nicht werfen, denn ein auf das Tor geworfener Ball ist ungültig. Sie müssen den Ball, wenn er heranrollt, auf alle mögliche Art und schnell aufhalten, um womöglich das Tor eher damit zu berühren, als der Schläger seine Rakette ins Mal stößt.

3) Beim Abrollen müssen sie einen Fuß innerhalb der Rollgrenzen n-n, o-o haben, sonst ist der Ball ungültig.

4) Sie können den Schlägern befehlen, auf welcher Seite des Tors sie schlagen sollen.

Vom einfachen Torball (single wicket)
Ist die Gesellschaft nur etwa sechs Personen stark, so spielt man das Cricket einfach. Hierzu braucht man nur ein Tor und einen Schläger. Wir nehmen in Gedanken das Tor Y, legen in die Mitte zwischen beide Tore die eine Rakette bei 7, teilen die Gesellschaft in zwei gleiche Parteien a, b, c und 1, 2,3, und lassen jene zuerst ins Spiel gehen.
Der Schläger stellt sich also auf p, der Roller auf 7, sein einer Gehilfe z hinter das Tor Y und die Person 3 in dieselbe Gegend; die Person i nämlich, um den Ball von 7 nach dem Tor zu rollen, 2 und 3 um ihn aufzufangen und dem Roller wieder zuzuwerfen. Sooft der Ball fortgerollt [ist], sucht ihn der Schläger zurück- und wegzuschlagen; tut er dies wirklich, oder kommt auf sonst eine Art der Ball aus den Händen der Gegner, so läuft er, sooft es die Abwesenheit des Balles zuläßt, nach dem Ballholz bei 7, berührt es mit dem seinen und eilt zum Schlagplatz zurück. Sooft er dies tut, schneiden seine Kameraden eine Kerbe ins Holz. Verliert er den Schlag, so kommt b und nach diesem c daran; dann geht die Partei 1, 2,3 ins Spiel usw. Für diejenigen, welche das doppelte Cricket innehaben, brauche ich weiter nichts hinzuzusetzen, denn auch beim einfachen gelten die Gesetze und Regeln des doppelten. Es ist unnötig, dem Cricket eine lange Lobrede zu halten, es spricht selbst für sich; denn es hat fast alles, was man von einem Bewegungsspiel fordern kann. Es ist eine vortreffliche Bewegung im Freien, gewährt sehr viel Vergnügen, übt die unteren und oberen Glieder im Laufen, Werfen und Schlagen, ist unschuldig, läßt sich ohne Gewinn sehr gut und unterhaltend spielen, langsamer und tätiger, wie man will. Es ist zugleich Übung des sinnlichen Beurteilungsvermögens in mannigfaltiger Rücksicht und erfordert viel Aufmerksamkeit.

 

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